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Wie sich Chiles Lachsindustrie langsam wieder von ISA erholt 2 Minuten

  Jun 29, 2015

Chiles Lachsindustrie hat mit der Zucht von Atlantischem Lachs (Salmo salar) erst gegen Ende der 1970er Jahre begonnen und stellt damit einen noch relativ jungen Industriezweig dar. Dennoch konnte dieses südamerikanische Land im Laufe der darauffolgenden drei Jahrzehnte so erfolgreich Technologien übertragen, Produkte entwickeln und sie den Märkten anpassen, dass es heute als der zweitgrößte Lachsproduzent der Welt gilt.

Das Gesamtvolumen an Lachs, das Chile produzierte, betrug bis 1991 im Jahresschnitt nicht mehr als 10.000 Tonnen. 2005 war die Jahresproduktionsmenge bereits auf 350.000 Tonnen angewachsen.

VIRUSEPIDEMIE

Bedauerlicherweise jedoch wurden dieses beeindruckende Wachstum und der kommerzielle Erfolg von Chiles Lachszucht nicht auch von entsprechenden Regulierungs-, Forschungs- und Überwachungsmaßnahmen begleitet, um die Branche vor biologische Risiken zu schützen. Und so geschah 2007 das, was irgendwann einmal geschehen musste, als der Sektor von der sogenannten Ansteckenden Blutarmut der Lachse (Infectious Salmon Anemia, ISA) heimgesucht wurde.

Zudem wurden die Auswirkungen der Epidemie auch noch durch die schnelle Ausbreitung des Virus vergrößert, begünstigt durch die hohe Konzentration von Lachsfarmen in bestimmten Regionen ebenso wie durch mangelhafte Haltungsbedingungen und Biosicherheitsstandards.

Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass bereits vor der ISA-Krise in den Jahren 2007/2008 schon eine Reihe anderer Infektionskrankheiten in der Branche festgestellt worden waren.

PRÄZEDENZLOSE VERLUSTE

Hinsichtlich Produktion, Export und sozialer Verluste stellt die infektiöse Lachsanämie die schwerste Viruserkrankung dar, von der gezüchteter Atlantischer Lachs befallen werden kann. Die durch dieses Virus verursachten Verluste könnten verheerend sein.

Die Infektionssymptome reichen vom Verblassen der Kiemen, Anschwellen der Leber und Milz bis zu inneren Blutungen. Endet die Krankheit für den Lachs meist tödlich, stellt sie für Menschen keinerlei Gefahr dar.

Die Krankheit wurde erstmals 1984 in norwegischen Fischzuchten entdeckt und nachgewiesen. Seither trat sie auch in einer Reihe von Schlüsselproduktionsorten auf, wo sie sich rasch zur Epidemie entwickeln konnte. Deshalb versucht die Industrie sie immer so schnell wie möglich zu bekämpfen oder zu kontrollieren, wo auch immer sie gerade auftreten mag.

Durch die Krankheit erlitt die chilenische Lachsindustrie nicht nur Verluste in Höhe von 2 Milliarden Dollar, sondern sank auch die Produktionsmenge an Atlantischem Lachs um die Hälfte und wurden Zehntausende Arbeiter  entlassen.

GEMEINSAME ANTWORT

In den Jahren, die unmittelbar auf den Ausbruch von ISA folgten, setzte Chile alles daran, seine Lachsindustrie von Grund auf zu überholen. Heute herrscht weitgehend Übereinstimmung darüber, dass für die wirtschaftliche Erholung hauptsächlich die Zusammenarbeit von Industrie und Regierung verantwortlich war, kraft derer Bestimmungen und Managementformen eingeführt werden konnten, welche der Branche Besserung brachten und ihr schrittweise wieder zu einem Aufschwung verhalfen.

Auch weiterhin werden kontinuierlich neue Maßnahmen eingeführt und allgemein geht man davon aus, dass die Leistung der Fischzuchten inzwischen über dem Vor-ISA-Niveau liegt, was wiederum auf ein besseres Produktionsmanagement schließen lässt. Gleichzeitig ist auch die Ertragsmenge an Lachs wieder nach oben geklettert, und zwar über den Höchststand von 400.000 Tonnen vor Ausbruch der Epidemie. So konnte das Land im vergangenen Jahr mehr als 550.000 Tonnen Atlantischen Seelachs fangen.

Doch es gibt auch ein „Aber“ und das betrifft die neuen Zuchtmethoden, welche zu einem erheblichen Anstieg der Produktionskosten geführt haben. Kalkuliert man mit ein, dass mit dem gestiegenen Angebot gleichzeitig auch die Preise gefallen sind, verwundert es nicht, dass viele Lachszüchter nun auch Verluste verzeichnen müssen – einer Tendenz, der die Branche  schnell wird begegnen müssen, um sie wieder umzukehren. Dennoch wird Lachs aus Chile derzeit auf mehr als 70 Märkten weltweit angeboten und stellt damit, nach Kupfer, das zweitwichtigste Exportprodukt des Landes dar.

Pittman Seafoods bezieht seinen Atlantischen Lachs sowohl aus Chile als auch aus Norwegen. Vor zwei Jahren wurde es Miteigentümer von Omega-C Foods mit Sitz in Puerto Varas und arbeitet man dort mit zwei chilenischen Partnern zusammen. Dank seiner langjährigen Erfahrung auf dem Gebiet der Lachszucht besitzt und betreibt das Gemeinschaftsunternehmen dort nun auch eine eigene Produktionsstätte.


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